5. – 13. Schuljahr

Naturwissenschaften sprachsensibel unterrichten

Schroeter-Brauss, Sabina;
Wecker, Verena; Henrici, Laura:
Sprache im naturwissenschaftlichen Unterricht. Eine Einführung.
Münster: Waxmann, 2018.
204 S.
21,99 €
ISBN 978-3-8252-4861-1
Das Buch „Sprache im naturwissenschaftlichen Unterricht richtet sich an Studierende und Lehrende der drei naturwissenschaftlichen Lehramtsfächer. Es ist im Zusammenhang mit einem Entwicklungsprojekt für innovative Lehr-Lern-Konzepte zum Bereich „Deutsch für Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte in der Lehrkräfteausbildung entstanden. Diesen Entstehungshintergrund merkt man dem Buch an: Es liefert nicht nur kompakt zusammengefasste theoretische Hintergründe, sondern immer auch unterrichtspraktische Bezüge und Beispiele aus den drei naturwissenschaftlichen Fächern, die die Themenaspekte gut illustrieren. Einige Anwendungs- und Reflexionsaufgaben geben dem Buch eine Art Lehrbuchcharakter und regen zum Weiterdenken an.
Das Buch ist in sechs Kapitel gegliedert. Nach der Einleitung wird im Kapitel 2 die Rolle der Sprache im naturwissenschaftlichen Unterricht erörtert. Dabei wird an Arbeiten von Josef Leisen angeknüpft. Ergänzt durch Ansätze anderer Forschungsgruppen ergibt sich ein guter Überblick über die verschiedenen Facetten der Thematik. Kapitel 3 widmet sich dem Thema Mehrsprachigkeit und sensibilisiert dabei vor allem für die Herausforderungen, denen Kinder und Jugendliche mit Zuwanderungsgeschichte im Unterricht begegnen. Das 4. Kapitel stellt Verfahren zur Sprachstandserhebung vor. Zwei Verfahren, der C-Test und die Profilanalyse nach Grießhaber, werden dabei detaillierter vorgestellt. Der C-Test kann in einer abgewandelten Form genutzt werden, um Fachwortschatzkenntnisse zu prüfen. Die Profilanalyse kann zur Analyse des bildungssprachlichen Niveaus von Schülertexten verwendet werden, aber auch, um z.B. die Komplexität von Texten einzuschätzen.
Während Kapitel 3 und 4 eher im Sinne einer Übertragung allgemeiner Sprachdidaktik auf den naturwissenschaftlichen Unterricht verfasst sind, beleuchten die letzten beiden Kapitel spezifische sprachliche Herausforderungen ausgehend von den Gegebenheiten des naturwissenschaftlichen Unterrichts. Im Kapitel 5 liegt dabei der Fokus auf der naturwissenschaftlichen Fachsprache (einschließlich fachsprachlicher Textsorten) und ihren Besonderheiten. Das Buch schließt ab mit didaktischen Empfehlungen für einen sprachbewussten naturwissenschaftlichen Unterricht. Dabei werden vor allem das Arbeiten mit Lehrbuchtexten und das Schreiben naturwissenschaftsspezifischer Texte (hier: Vorgangsbeschreibungen und Versuchsprotokolle) näher betrachtet. An die Ausführungen vorangegangener Kapitel wird konsequent angeknüpft. Mit 40 Seiten ist dieses Kapitel das umfangreichste des Buchs.
Insgesamt gelingt es den Autoren, durchgängig eine gute Balance aus den vielfältigen theoretischen Bezügen und unterrichtpraktischen Beispielen zu schaffen. Dadurch bleibt die Komplexität des Themas erhalten, ohne den Bezug zum Fachunterricht zu verlieren. Für die genannte Zielgruppe von Lehrkräften und Studierenden ist das Buch deshalb ein wertvoller Fundus an Ideen und Hintergründen. Der Sprachstil ist insgesamt eingängig, so dass das Buch auch für linguistisch wenig versierte Leser gut lesbar ist. Ein Glossar hilft beim Verständnis sprachbezogener Fachbegriffe. Einziger kleiner Kritikpunkt sind irreführende Formatierungen einiger Tabellen (Tabelle 1 auf S. 23, Tabelle 16 auf S. 116) sowie die nicht nummerierte Tabelle auf S. 149).
Ich habe das Buch mit großem Gewinn gelesen und empfehle es allen am Thema Interessierten weiter.
Rita Wodzinski

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