5. – 13. Schuljahr

Katharina Knipper und Michael Sach

Durch Feedbackprozesse die „Fehlerkultur weiterentwickeln

„Unterrichtsbeteiligungsvermeidung als „Fehlervermeidungsstrategie im Diskurs mit Lernenden, der Fachschaft und Elternschaft

Dieser Beitrag vielleicht ein Fehler versteht sich als Anregung zum Diskurs. Vielleicht für eine besondere Physikstunde, vielleicht für die Vorbereitung einer Physiklehrkraft für einen Elternabend, vielleicht im Rahmen einer engagierten Physikfachkonferenz. Wir beschreiben fiktive Situationen, die das physikdidaktische Problem umreißen und eine (!) Lösungsmöglichkeit zur Weiterentwicklung der schulischen „Fehlerkultur andeuten.
„Fehlerkultur kein Tabuthema
Die Beobachtung einer Physiklehrkraft, dass Schülerinnen und Schüler aktiv die Beteiligung am Unterricht vermeiden, um sich nicht einer aus ihrer Sicht potenziell gefährlichen Situation durch „Fehler stellen zu müssen, wird als „Fehlervermeidungsstrategie erkannt. Um die Fehlerkultur im Physikunterricht positiv zu entwickeln (und damit solchen nicht lernförderlichen Haltungen und Handlungen entgegenzuwirken), regen wir an, mit den Beteiligten in einen kritischen Diskurs über Fehler zu gehen und dabei Feedbackprozesse zu nutzen (s.a. Kasten 1).
Kasten 1: Bedeutung des Lernenden-Feedbacks für Lernprozesse
Kasten 1: Bedeutung des Lernenden-Feedbacks für Lernprozesse
Nach Erkenntnissen der empirischen Unterrichtsforschung ist Unterricht besonders lernwirksam, wenn Lernende den Lehrenden zu den Unterrichtsangeboten regelmäßig Feedback geben.
Dieses von der Lehrperson eingeforderte Feedback hilft, das Lernen (gedacht als Lernprozess und Lernertrag) sichtbar zu machen: „Wenn Lehrpersonen Feedback von den Lernenden einfordern – oder zumindest offen sind gegenüber dem, was Lernende wissen, was sie verstehen, wo sie Fehler machen, wo sie falsche Vorstellungen haben, wo es ihnen an Engagement mangelt –, dann können Lehren und Lernen miteinander synchronisiert werden und wirksam sein. (Hattie, zitiert nach: [2], S. 56).
Das Feedback zur Fehlerkultur ist wirksam, wenn drei Dimensionen berücksichtigt werden (vgl. [3], S. 33):
  • soziale Einbindung in Fehlersituationen,
  • Freiräume für Fehler im Unterricht,
  • sachliche und konstruktive Fehlerrückmeldungen.
Allgemeine Hinweise zur Rolle von Feedback in einem konstruktiven Fehlerklima finden Sie in [5]. Steuer und Dresel machen darauf aufmerksam, dass „Fehlerklima und Feedback große Überschneidungsbereiche aufweisen ([5], S.120).
Die beteiligten Akteure sind nicht nur die Physiklehrenden und Lernenden einer Klasse, sondern im Sinne einer Kind-Umfeld-Analyse [1] u.a. auch die Physikfachschaft einer Schule sowie die Eltern.
Situation 1: Auf die richtige Haltung kommt es an
Am Ende einer Physikfachkonferenz:
L1: Ich unterrichte gerade einen Kurs in Physik mit ganz aufgeschlossenen und netten Schülerinnen und Schülern, beobachte aber beinahe jede Stunde, dass sie sich in Gesprächsphasen sehr zurückhalten. Als hätten sie Angst, etwas Falsches zu sagen. Ich habe das Gefühl, sie haben „gelernt, keine Fehler machen zu dürfen. Gibt es bei euch fürs Fragenstellen schlechte Noten?
L2: Ja, das kenne ich auch: So geht es mir in vielen Phasen. Entweder fragen Schülerinnen und Schüler nicht nach oder ich beobachte in vielen Arbeitsphasen immer wieder die gleichen Fehler. Vielleicht würde es auch helfen, wenn wir mal gemeinsam ein paar der typischen Fehler sammeln.
L3: Mal im Ernst! Sollen wir uns jetzt auch noch Gedanken um Schülerängste machen? Ich glaube, Physik als Horrorfach ist akzeptiertes Kulturgut.
L1: Es gibt aber Möglichkeiten, für den Unterricht diese unproduktive Fehlervermeidungsstrategie aufzubrechen und ein Fenster in den Köpfen zu öffnen. Das ist gar nicht so schwer, und ich habe schon einige gute Erfahrungen gemacht. Das Thema habe ich sogar auf einem Elternabend angesprochen.
Situation 2: Das Lernumfeld mit ins Boot nehmen
Nach dem Elternabend „Wie im...

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