5. – 13. Schuljahr

Susanne Heinicke

Failing forward

Lernen aus anderen Disziplinen

„Erfolg ist nicht endgültig, Fehler sind nicht fatal: was zählt, ist der Mut weiterzumachen.
(Winston Churchill)
Während die Forschung zum konstruktiven Umgang mit Fehlern in den naturwissenschaftlichen Fächern wie auch die Entwicklung entsprechender Unterrichtskonzepte eher überschaubar sind, ist das Thema „Lernen aus Fehlern in Bereichen der Wirtschaft und der Unternehmensführung weit verbreitet. Im Zusammenhang mit Start-ups kommt dem Austausch über Fehler eine vergleichsweise große Bedeutung zu. Unter dem Namen „FailCon breitet sich beispielsweise eine globale Bewegung unter Start-up-Gründern aus, die sich in verschiedenen Veranstaltungsformaten über ihre Fehlschläge und deren zugrunde liegenden Ursachen austauschen. Sie bieten ein Forum für das Lernen aus den Fehlern, um damit umgehen, sie vermeiden oder abfedern zu können.
Eine fehlerproduktive Unternehmenskultur lässt sich wie in Abbildung 1 beschreiben: Erfolg und Fehler eines Prozesses bilden den Ausgangspunkt zu neuem Lernen, zu einer Optimierung von Prozessen, was über einen Systemneustart im Testlauf wieder zu weiteren Erfolgen oder Fehlermeldungen führt.
Failing forward: über Fehler zum Erfolg
Ein im US-amerikanischen Raum weit verbreiteter Ansatz von Unternehmenskultur im Umgang mit Fehlern verbirgt sich hinter dem Begriff Failing Forward. Fehler und Misserfolge werden hierbei als unvermeidliche Begleiter, Katalysatoren oder sogar notwendige Voraussetzung von Erfolg betrachtet. Fehler müssen also als Teil des Lernens und des Erfolgs akzeptiert werden (vgl. [1]). Diesem Ansatz zufolge ist der Hauptunterschied zwischen sehr erfolgreichen und durchschnittlich erfolgreichen Personen ihre unterschiedliche Wahrnehmung und Reaktion auf Fehler und Misserfolg (s. [1] und Kasten 1).
Kasten1: Failing forward und Resilienz
Kasten1: Failing forward und Resilienz
In der Psychologie wird die Fähigkeit, persönliche und soziale Ressourcen für die Bewältigung von Krisen zu aktivieren und als Ausgangspunkt für Lernprozesse zu nutzen, als Resilienz (lateinisch: abprallen oder zurückwerfen) bezeichnet.
Die Medizin fasst etwas weitergehender darunter auch die schnelle Wiederherstellung oder auch Erhaltung psychischer Gesundheit in und nach Krisensituationen. Personen, die über Eigenschaften der Resilienz verfügen oder sie ausbauen, sind in der Lage, stabiler und gelassener auf Stressoren zu reagieren.
Der Basketballspieler Michael Jordan schildert den Failing-forward-Ansatz aus seiner Perspektive: „Ich habe 9000 Würfe in meiner Karriere verworfen. Ich habe beinah 300 Spiele verloren. 26 Mal hat man mir anvertraut, den spielentscheidenden Ball zu werfen, und ich habe verfehlt. Ich bin gescheitert und gescheitert. Und das ist der Grund, warum ich so erfolgreich war.
In der Denkweise des Failing Forward ist der Fehler nicht nur Ausgangspunkt, um Neues zu lernen. Er ist vielmehr Teil des Erfolgs. Maxwell [1] fordert daher, ein konstruktives Bild von Fehlern zu entwickeln, für das er mehrere notwendige Perspektiven formuliert, die auch aus Sicht des (Physik-)Unterrichts bedenkenswert erscheinen:
Fehler sind nicht persönlich, sie werden nur von Personen begangen.
Dies ist auch für Schülerinnen und Schüler eine wichtige Grundlage einer positiven Fehlerkultur. Fehler zu machen geschieht in der Regel nicht aus böser Absicht. Und Fehler sollten von uns nicht persönlich genommen werden. Ebenso wenig sind sie einer Person persönlich anzulasten.
Fehler sind kein singuläres Ereignis, sie sind oft Ergebnis eines längeren fehlerhaften Prozesses.
Auch das erscheint für die Unterrichtsperspektive unmittelbar logisch. In der Mehrzahl der Fälle sind Fehler und ein schlechtes Abschneiden in Leistungsüberprüfungen nicht das Ergebnis des Momentes, sondern eines längeren Prozesses. Das erfahren Lernende auch schmerzhaft, wenn sie nach längerer Zeit unterrichtlichen „Untertauchens wieder mit...

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