7. – 13. Schuljahr

Julia Hiniborch, Knut Wille und Gunnar Friege

Fehler als Auslöser von Lernprozessen

Fehler nutzen, um ein tieferes Verständnis zu erlangen

Der Begriff Fehler ist meist negativ besetzt und wird oft gleichgesetzt mit Versagen oder einem Nichterfüllen von Anforderungen. Jedoch sind es auch (besonders prägnante) Fehler bzw. deren Überwindung oder zumindest deren Erkenntnis, an die man sich oft retrospektiv erinnert. Sie scheinen zumindest auch eng mit Lernerfolgen verknüpft zu sein. Eine differenzierte Betrachtung von „Fehlern, die auch die positiven Aspekte benennt, findet sich im Basisartikel von Susanne Heinecke.
Fachdidaktisch ist das Thema Fehler nicht erst seit dem Modul 3 „Aus Fehlern lernen [1] des SINUS-Programms relevant. Ähnlich wie bei der Aufgabenkultur [2] geht es hierbei um einen verfeinerten und variantenreicheren Umgang mit Fehlern im Unterricht, also darum, eine neue Fehlerkultur zu etablieren.
Als Auslöser von Lernprozessen kann die Verwendung von fehlerhaftem Material dienen. Dieses kann als Methoden-Werkzeug [3] in relativ kurzen Zeitspannen im Unterricht eingesetzt werden. In diesem Beitrag wird darüber hinaus der Productive-Failure-Ansatz ([4] – [5]) vorgestellt. In diesem Unterrichtskonzept machen die Schülerinnen und Schüler zunächst eigene Fehler, um anschließend neue Fachinhalte tiefer durchdringen zu können. Dabei spielt die Reflektion über die (eigenen) Fehler im Lösungsprozess eine zentrale Rolle.
Methoden-Werkzeug „Lernen aus Fehlern
Der Stellenwert des Lernens aus Fehlern wurde im Nachgang zu den Ergebnissen der PISA-Studie im Gutachten zur Vorbereitung des SINUS-Programms hervorgehoben. Voraussetzung ist eine explizite Behandlung von Fehlern sowie die Gelegenheit zur Reflexion über Fehler: „Lernen aus Fehlern setzt voraus, daß Fehler thematisiert werden bei geübten Lernern häufig durch Selbstkontrolle, im Unterricht in der Regel über Rückmeldung durch andere und daß es Gelegenheit zum Einhalten und Nachdenken über die Genese und Logik des Fehlers gibt. (s.a. [1], S. 24)
Als Beispiel für den Einsatz in einer der von ihm beschriebenen Standardsituationen des Unterrichts, dem „Gelernten Üben, stellt Leisen das Methoden-Werkzeug „Fehlersuche neben anderen Werkzeugen wie Domino, Kettenquiz oder Bildpuzzle vor [3]. Charakteristisch für derartige Methoden-Werkzeuge ist, dass sie routinebildend, handlungsorientiert und differenzierend sind [3], sowie der oft spielerische Zugang.
Beispiele
Unterrichtspraktische Beispiele finden sich u.a. in [6] zur Fehlersuche in Texten, in [7] zur Fehlersuche in Abbildungen, in [8] zur interaktiven Fehlersuche an unterschiedlichen Materialien am Interaktiven Whiteboard oder im im Beitrag „Lernen an fehlerhaftem Material von Kraus in diesem Heft.
Abbildung 1 zeigt zwei Beispiele für den Physikunterricht (8. – 10. Klasse) zum Thema elektrische Stromkreise (Knoten- und Maschenregel). Die Lernenden sind hier aufgefordert, im Material Fehler erstens zu identifizieren und zweitens zu korrigieren. Letzteres ist oft nicht eindeutig und in der Konstruktion des Materials auch so beabsichtigt. So lässt sich die Aufgabe 1a (s. Abb. 1) u.a. durch Änderung einer Pfeilrichtung, einer Pfeilrichtung und eines Zahlenwertes oder auch durch Hinzufügen weiterer Zuleitungen korrigieren. Eine Diskussion über verschiedene Möglichkeiten von Fehlerkorrekturen wird dabei im Unterricht angestrebt. Abbildung 2 zeigt einige mögliche Korrekturen des fehlerhaften Materials in Abbildung 1.
Hinweise zum Einsatz
Dieses Methoden-Werkzeug ist, wie alle Methoden-Werkzeuge, ein Element eines komplexen Unterrichtsganges. Es dient dem fachspezifischen Lernen; im Fall des Beispiels in Abbildung 1 dem Verständnis und der Anwendung der Knotenregel. Diese Fehlersuche wird man in einer Übungsphase nach einer Einführung und intensiven Behandlung des elektrischen Stromkreises und der Knotenregel in (einfachen) Beispielen einsetzen. Die Konzepte sollten den...

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