5. – 13. Schuljahr

Ralph Hepp

Fehler in Klassenarbeiten

Lernförderliche Korrektur von Fehlern

Eine wichtige diagnostische Arbeit beginnt für jede Lehrkraft mit der Korrektur und Auswertung einer Klassenarbeit. Aus den Ergebnissen lassen sich Schlussfolgerungen für den weiteren Unterricht ableiten. Auch für die Schülerinnen und Schüler können die Rückmeldungen aus Kontrollen und Klassenarbeiten besser nutzbar werden, wenn sie mehr umfassen als eine Orientierung zum aktuellen Leistungsstand in Form einer Note. Im Folgenden soll insbesondere die lernförderliche Arbeit mit Fehlern der Lernenden in Klassenarbeiten beschrieben werden. Die Vorbereitung und Durchführung von Kontrollen und Klassenarbeiten wurde in [1] ausführlich dargestellt.
Korrektur von Fehlern in Klassenarbeiten
Analyse von Schülerfehlern mithilfe des Erwartungshorizonts
Eine wichtige Basis für die Korrektur einer Klassenarbeit ist der bereits bei der Vorbereitung der Aufgaben notierte Erwartungshorizont. Anhand einiger Arbeiten (vor allem auch von den leistungsstärksten Schülerinnen und Schülern) sollten Sie sich zunächst einen Überblick über die Anwendbarkeit des Erwartungshorizontes verschaffen und diesen ggf. etwas in der Punktzuordnung anpassen. Häufig zeigt sich, dass das Erwartungsbild von den Ergebnissen der Schülerinnen und Schülern in der Klassenarbeit abweicht. Es lohnt sich, über die Ursachen dieser Abweichungen nachzudenken:
  • War mein Unterricht verständlich strukturiert?
  • Wurde das Wesentliche deutlich und in ausreichendem Maße geübt?
  • Welche typischen Fehler sind aufgetreten?
  • Ergeben sich evtl. aus dem gehäuften Auftreten von bestimmten Fehlern wichtige oder ggf. sogar notwendige Schlussfolgerungen für eine Veränderung meines Unterrichts?
Darüber hinaus sollten Sie unbedingt typische falsche Schüleraussagen bei der Korrektur notieren (s.u.).
Beurteilungsfehler bei der Korrektur vermeiden
Es hat sich bewährt, die Klassenarbeit möglichst zeitnah sowie vor allem aufgabenweise zu korrigieren. Auf diese Weise sind Sie in der Korrektur effektiver und objektiver, weil Sie sich immer nur auf eine (oder zwei) Aufgabe(n) konzentrieren und nicht ständig umdenken müssen.
Sie sollten dabei versuchen, möglichst nicht nach den Schülernamen zu schauen, denn damit vermeiden Sie sog. Sympathiefehler (Mädchen sowie gute Schülerinnen und Schüler werden durchschnittlich besser bewertet; vgl. u.a. [2]).
Mischen Sie während der Korrektur immer wieder die Reihenfolge der Arbeiten, denn damit umgehen Sie sog. Reihungsfehler (z.B. werden die ersten Arbeiten strenger korrigiert).
Verschiedene Fehler klar bezeichnen
Inwieweit Sie standardisierte Korrekturzeichen 1) verwenden, liegt in Ihrem Ermessen bzw. den Festlegungen der Fachschaft; bei Abiturarbeiten ist dies z. T. vorgegeben [3]. Mögliche Korrekturzeichen sind in Kasten 1 zusammengestellt; dazu noch einige Hinweise:
  • Mit „Schreibfehlern sind Fehler gemeint, die durch falsche Übertragung aus dem Aufgabentext oder dem vorausgehenden Teil der Lösung u.Ä. entstanden sind.
  • Bei eventuell drohenden Missverständnissen sollten Sie Fehler bzw. Unschärfen ohne Verwendung von Abkürzungen deutlich kennzeichnen: z.B. „unklar, „Ansatzfehler, „ab hier unbrauchbar, „Einheitenfehler usw.
  • Im Anschluss an einen Formulierungsfehler („A), einen schwerwiegenden Verstoß gegen die Fachsprache („fS) oder einen anderen Fehler können Sie die folgenden Teile der Lösung mit „(r) kennzeichnen, sofern die Aufgabe mit dem Fehler „richtig weitergelöst wurde.
  • Berücksichtigen Sie bei der Korrektur auch bestimmte Besonderheiten der Schülerinnen und Schüler (z.B. Dyskakulie, Legasthenie usw.), die unbedingt eine sehr spezifische und konstruktiv-helfende Korrektur erfordern.
Kasten 1: Mögliche Korrekturzeichen
Kasten 1: Mögliche Korrekturzeichen
r oder Haken richtiges (Teil-)Ergebnis
(r) oder Haken in Klammern richtig weitergeführt (nach einem Fehler)
(f) leichter Fehler
f mittelschwerer Fehler
F schwerer Fehler
Ff ...

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