5. – 13. Schuljahr

Alexander Pusch, Susanne Heinicke und Christoph Holz

Mentor sein

Wie reagiere ich auf Fehler und welche Reaktionen wünschen sich Schülerinnen und Schüler?

Montagmorgen in der 8a: Im Klassengespräch versucht Herr U., gemeinsam mit seiner Klasse den Zusammenhang zwischen Spannung und Widerstand von Bauteilen in einer Reihenschaltung abzuleiten.
Herr U.: Also, hier haben wir in der Tabelle die Werte, die wir abgelesen haben, und hier rechts die für die Spannung. Was fällt auf? Ja, Alina?
Alina: Die Werte da an den Steckdingern werden, äähm, größer?
Herr U.: (lacht) Die Steckdinger, mhm. Wer kann es präziser formulieren? Hendrik?
Hendrik: Die Spannung hängt immer mit den aufgedruckten Werten zusammen. Wenn die größer werden, werden die auch größer?
Herr U.: Ja, da ist schon mal was Richtiges dran. Was ist da noch mal aufgedruckt?
Hendrik: Die ääh Größe, ääh wie viel
Herr U.: (unterbricht und gibt die Frage weiter) Zenat?
Zenat: Ohm?
Herr U.: Nein, das ist ja die Einheit. Die Größe, die wir abgelesen haben, ist der Widerstand.
Wir haben in dieser fiktiven Unterrichtssituation Herrn U. in unterschiedlicher Weise auf die (fehlerbehafteten) Schülerantworten reagieren lassen: lachend, weitergebend, übergehend, ermutigend, richtigstellend … Wie die jeweilige Reaktion auf die jeweils Angesprochenen und auch die anderen Lernenden gewirkt hätte, können wir nur spekulieren. Dafür sind beispielsweise auch noch viele situationsbezogene und nicht verbale Elemente entscheidend (s.a. Artikel „Kurzcheck Non- und Paraverbales) oder auch persönliche, den Schüler oder die Schülerin und ihre Beziehung zur Lehrkraft betreffende Aspekte (s.a. Artikel „Special Inklusion).
Abgesehen von solchen situations- und personengebundenen Faktoren haben wir sowohl Schülerinnen und Schüler als auch Lehrkräfte danach befragt, wie sie am liebsten Fehlersituationen im Unterricht klären bzw. geklärt haben möchten (s. [1] – [2]).
Umgang mit Fehlern im Unterrichtsgespräch
Das Muster des fragend-entwickelnden Unterrichts bringt viele Situationen wie die eingangs beschriebene hervor sofern die Lernenden sich überhaupt trauen, Antworten zu geben, selbst wenn sie nicht ganz von deren Richtigkeit überzeugt sind. Hinzu kommt eine im Fach Physik stark präsente Wahr-Falsch-Dichotomie sowie eine komplexe Fachsprache, die ebenfalls Spielraum für konzeptionelle und fachsprachliche Fehler eröffnet.
Um die Lernenden hier nicht zu oft zu demotivieren, liegt es nahe, dass Herr U. bemüht ist, solche Situationen abzufedern. Allerdings müssen Fehler für ein Weiterkommen im Lernen auch häufig klar benannt werden können. Das Unterrichtsgespräch mit keiner expliziten Klärung des Falschen zu führen, birgt die Gefahr eines „Bermudadreiecks (vgl. [3]), in dem zwischen Schüler 1, Lehrkraft und Schüler 2 der zu lernende Inhalt „in Verwirrung versinkt.
Was sagt die Forschung?
Fehler sind alltägliche Bestandteile des Lebens und des Unterrichts. Sie unterlaufen sowohl den Schülerinnen und Schülern als auch den Lehrkräften. Die Kunst einer positiven Fehlerkultur besteht darin, Fehler nicht negativ zu konnotieren ([4], S. 7), das Eingestehen von Fehlern „salonfähig zu machen ([5], S. 9), das Fehlermachen als einen wichtigen Bestandteil des Lernprozesses zu etablieren ([6], S. 56) und den Fehlern einen selbstverständlichen Platz im Unterricht einzuräumen ([7], S. 44).
Fehler und falsche Antworten sollten dann für die Lernenden auch als solche kenntlich gemacht werden, da sie diese in den meisten Fällen nicht selbst erkennen können. Lernende benötigen dazu vor allem eine (angstfreie) Umgebung, die sie unterstützt und nicht hemmt, aus Fehlern auch lernen zu wollen ([7], S. 44). Ein Schlüsselelement dazu ist die Art und Weise, wie Lehrkräfte und auch die Mitschüler auf einen Fehler reagieren.
Was wünschen sich Schüler und Schülerinnen?
Schülerinnen und Schüler wurden in zwei Studien ([1], [2]) 1) gefragt, welchen Umgang mit Fehlern und welche Reaktionen...

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