5. – 10. Schuljahr

Larissa Fühner, Susanne Heinicke und Lisa Rott

Special Inklusion

Fehler, Erfolg und Misserfolg mit besonderem Blick auf besondere Kinder und Jugendliche

Es ist die dritte Stunde an einem Donnerstag in einem Gymnasium. Vier Schulstunden lang haben die Schülerinnen und Schüler Plakate über das Planetensystem vorbereitet. Heute ist endlich der Tag gekommen, die selbstgestalteten Plakate mit den Steckbriefen der einzelnen Planeten vorzustellen. Ben und Tobi sind auch mit dabei. Beide haben Schwierigkeiten im Lernen und bekommen deshalb sonderpädagogische Förderung durch Herrn Meyer. Tobi stellt zuerst sein Plakat vor. Herr Meyer fragt dazu die einzelnen Kategorien des Steckbriefs ab, Tobi liest die jeweiligen Antworten kurz vor. Es scheint, als macht es ihm nichts aus. Jetzt ist Ben dran. Er schaut verunsichert zu Herrn Meyer. Herr Meyer erwidert: „,Ich kann, ich will, ich werde denk dran! Dann fängt Tobi an, sein Plakat vorzustellen. Am Ende gibt es Applaus und viel Lob von seinen Mitschülerinnen und Mitschülern.
Hintergrund
Ausgangspunkt eines Lernens aus Fehlern ist das Identifizieren eines solchen Fehlers. Des Weiteren benötigen wir für das Lernen geeignete Methoden, um die nächsten Schritte zu gehen. Diese beiden Faktoren allein sind aber keinesfalls Garanten dafür, dass Lernen auch stattfinden kann. Vielmehr sind die Voraussetzungen für entsprechende Lernprozesse, dass wir über die notwendigen Kompetenzen verfügen, um die Lernschritte zu gehen, und dass wir ausreichendes Vertrauen in uns haben, diese Kompetenzen auch anwenden zu können.
Lernen aus Fehlern ist darum auch eng verbunden mit der Selbstwirksamkeitserwartung der Lernenden und mit den Emotionen, mit denen sie Fehlern und notwendigen Lernschritten begegnen (s. [1]). Persönlichkeitsfaktoren, frühere Erfolgs- und Misserfolgserlebnisse sowie die Bedeutung, die wir den Lernprozessen beimessen, prägen unsere Bereitschaft, uns mit Fehlern auseinanderzusetzen und unsere Fähigkeiten diesbezüglich zu optimieren. Häufiges Misserfolgserleben beeinflusst die Bereitschaft zur Fehlerkorrektur und benötigt besondere Unterstützung und Ermutigung.
Die Erfahrung, im (Physik-)Unterricht Fehler zu machen, kennen so gut wie alle Schülerinnen und Schüler. Im Laufe ihrer Schulkarriere eignen sie sich darum eine Reihe von Fehlervermeidungsstrategien an, die dieses Erleben bis zu einem gewissen Grad nach außen unsichtbar werden lassen. Als eine Art „Vergrößerungsglas für das Erleben von Fehlern können daher Beobachtungen von inklusiven Klassen und speziell von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf dienen. Vieles von dem, was wir im Folgenden beschreiben, gilt aber sicher für alle Schülerinnen und Schüler.
Beobachtungen in Förderschul- und in inklusiven Klassen
Besonders Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf müssen in ihrem Alltag häufig erleben, Fehler zu machen, etwas nicht zu können, langsamer zu sein und sich mit ihrem Umfeld nicht auf Augenhöhe zu befinden. Findet sich dieses Misserfolgserleben überdurchschnittlich häufig in ihrem Alltag wieder, wundert es nicht, dass gerade diese Jugendlichen deutlich geringere Selbstwirksamkeitserwartungen haben als ihre Klassenkameradinnen und Klassenkameraden ohne sonderpädagogische Förderung (s. [2]).
Diese geringen Selbstwirksamkeitserwartungen beeinflussen wiederum häufig die Arbeitshaltung, das Durchhaltevermögen und demnach den gesamten Lernprozess der Schülerinnen und Schüler (vgl. [3] – [5]) und haben somit einen immensen Einfluss auf das Lernen.
Reaktionen auf Misserfolg können besonders im großen Klassenverband für Lehrkräfte durchaus schwer zu bemerken sein. So können bereits unscheinbar bzw. normal wirkende Reaktionen Auskunft über Misserfolgserleben geben. Um eine Grundlage für das Erkennen solcher Reaktionen zu setzen, illustrieren wir diese Reaktionen in Kasten 1 mit Schlüsselbeispielen für misserfolgsgeprägte Situationen...

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