7. – 10. Schuljahr

Timm Fuhrmann

Elektrische Schaltungen

Die Ampelschaltung als Thema eines inklusiven Physikunterrichts

Dieser Beitrag möchte anhand ausgewählter Lernsituationen im Fach Physik Anregungen für inklusive Lerngruppen bieten. Alle Materialien wurden in Inklusionsklassen einer Hamburger Stadtteilschule erprobt.
Im Folgenden sind die Schwerpunkte der Förderbedarfe beispielhaft dargestellt, an denen sich die Unterrichtsplanung maßgeblich orientierte. Dabei ist zu erwähnen, dass auch Schülerinnen und Schüler ohne konkrete Förderbedarfe oft speziell gefordert und gefördert werden müssen. Die Förderschwerpunkte können an dieser Stelle nicht in ihrer Komplexität erfasst werden. Es geht darum, die konkreten Bedarfe zu benennen und zu berücksichtigen. Dies ermöglicht die Anpassung des Lernangebots an die individuellen Voraussetzungen der Lernenden. Dabei denken wir nicht an die Dinge, die die Schüler nicht können, sondern an die Ausgestaltung eines Settings, in dem sie das, was sie können, zeigen können.
Kilian: emotionale und soziale Entwicklung
Bei diesem Schüler1) fällt eine besondere Unruhe auf, die sich in häufigen Unterrichtsstörungen äußert. Eine längere Fokussierung auf bestimmte Aufgaben ist kaum möglich. Die selbstständige Organisation der Lernprozesse (Beispiel: eigenverantwortliches Arbeiten an Stationen) ist kaum ohne ständige Unterstützung möglich. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Schülern ist schwierig, da es immer wieder zu Streitigkeiten kommen kann.
Für die Organisation der Lernprozesse ergeben sich demnach die folgenden Schwerpunkte:
  • Materialien übersichtlich gestalten,
  • Aufforderungscharakter/motivierende Elemente verstärken,
  • überfordernde Elemente reduzieren,
  • Phasen der Einzelarbeit fest einplanen und ritualisieren,
  • sozial starke Mitschüler für die Zusammenarbeit bestimmen.
Tobias: geistige Entwicklung
Bei diesem Schüler ist die Schriftsprache schwach ausgeprägt. Er kann einzelne Wörter schreiben, wenn diese erinnert oder direkt angeschrieben werden. Die Lesekompetenz beschränkt sich auf das Erkennen einzelner, bekannter und oft geübter Wörter im Fließtext. Ein sinnentnehmendes Lesen kurzer Texte ist nicht möglich. Zahlen erkennt und benennt er im Zahlenraum von 0  – 20. Einfache mathematische Rechenoperationen (Additionen, Subtraktionen) bewältigt er sicher im Zahlenraum von 0 – 10.
Für die Organisation der Lernprozesse ergeben sich demnach die folgenden Schwerpunkte:
  • Visualisierung von Abläufen,
  • Arbeit mit Piktogrammen,
  • einfache Verknüpfungen (z.B. Bild oder Schlagwort),
  • Angebot von Analogien und entsprechender Illustrationen,
  • Vorlesepartner.
Kim: Autismus-Spektrum-Störung
Die Schülerin zeigt schwerpunktmäßig ein sehr introvertiertes Verhalten und versucht, die Interaktionen mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern grundsätzlich zu vermeiden.
Arbeitsaufträge bearbeitet sie sehr langsam. Sie müssen ihr vorgelegt und erklärt werden, damit es durch Missverständnisse nicht zu Frustrationen in der Bearbeitung kommt. Darüber hinaus sind klare zeitliche Vorgaben und das Benennen benötigter Materialien ein Bedürfnis der Schülerin für ein zielführendes Arbeiten.
Für die Organisation der Lernprozesse ergeben sich demnach die folgenden Schwerpunkte:
  • klar gegliederte Materialien,
  • Vorhersehbarkeit (z.B. Stundenablauf besprechen und visualisieren),
  • Vermeidung offensiver Situationen (z.B. Ergebnispräsentation vor der ganzen Klasse),
  • Arbeitsplatz, der bei Bedarf eine Abgrenzung ermöglicht,
  • Nachteilsausgleich bei Leistungsüberprüfungen (Erhöhung der Bearbeitungszeit).
Ablauf des Unterrichts
Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf eine 10. Klasse. Im Bildungsplan ist das Entwerfen und das Aufbauen von funktionsfähigen und alltagsbezogenen Schaltungen auf der Basis von Reihen- und Parallelschaltungen vorgesehen. Dies soll mit der hier vorgestellten Unterrichtseinheit noch einmal wiederholt und vertieft werden und dient auch als Vorbereitung für das Themenfeld „Wirkungen des...

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