5. – 8. Schuljahr

Larissa Fühner und Susanne Heinicke

Unterricht unter der Lupe

Beobachtungen und Empfehlungen zu inklusivem Physikunterricht

Dieser Artikel nähert sich inklusivem Physikunterricht über Fallbeispiele aus konkreten Unterrichtssituationen. 1) Ziel des Artikels ist vorrangig, auf mal mehr, mal weniger sichtbare Facetten inklusiven Unterrichts aufmerksam zu machen und damit Denkanstöße zu geben. Die Beschreibungen werden sich vermutlich an vielen Stellen mit Ihren eigenen Erfahrungen decken. Verallgemeinernde Schlüsse ziehen wir hieraus jedoch nicht, um Schülerinnen und Schüler in all ihren Heterogenitätsfacetten wertzuschätzen.
Die Beobachtungen sind im Folgenden entlang zentraler Aspekte gegliedert. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem „multiprofessionellen Lehrerteam (s.a. Basisartikel), das die Schülerinnen und Schüler in ihren Lernprozessen begleitet. Denn ohne eine gelingende Kooperation eines solchen Teams mit einer guten Verteilung von Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen bleibt die Vision von inklusivem Physikunterricht in weiten Teilen eine Illusion.
Szenarien der Kooperation von Lehrkräften
In allen beobachteten Lernsituationen lag die Verantwortung für die Vermittlung von Fachinhalten in den Händen der Fachlehrkraft. Infolgedessen war der Redeanteil der Fachlehrerin oder des Fachlehrers insgesamt deutlich höher. Die sonderpädagogischen Lehrkräfte füllten ihre Rolle sehr unterschiedlich aus. Je nach Lehrerpersönlichkeit ergänzten sie schon im Klassengespräch oder erst in Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeitsphasen den Fachlehrer. Die beobachteten Kernverantwortungen für beide Lehrkräfte sind im Überblick in Abbildung 1 dargestellt.
Im Folgenden werden drei verschiedene Szenarien der Kooperation von Fach- und Förderschullehrkraft beschrieben, die alle in inklusivem Physikunterricht anzutreffen sind. Mit den dargestellten Szenarien ist dabei keine Wertung verbunden. Szenario C ist also nicht unbedingt erstrebenswerter als Szenario B.
Vielmehr ist eine bestmögliche Konstellation individuell entsprechend der Zusammensetzung der Lerngruppe und den fachlichen und sonderpädagogischen Kompetenzen und Persönlichkeiten der Lehrkräfte zu formen.
Insgesamt fordert inklusiver Unterricht eine Neuausrichtung beider Professionen (s. [1]), wobei ein gewisses Maß an Kooperation stets Voraussetzung ist.
Szenario A
In diesem häufig anzutreffenden Szenario liegt insgesamt die Verantwortlichkeit für die Regelschülerinnen und Regelschüler primär bei den Fachlehrkräften. Für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Unterstützung fühlen sich die sonderpädagogischen Lehrkräfte verantwortlich (s.a. Beispiele in Tab. 1).
Diese Zuständigkeiten spiegeln sich auch im Verhalten der Lernenden, wenn die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Unterstützung bei Fragen die sonderpädagogische Lehrkraft ansprachen und die Regelschülerinnen und -schüler die Fachlehrkraft (s.a. Zitat bei Szenario B).
In diesem Szenario A erhält die sonderpädagogische Lehrkraft die in der Unterrichtssituation anliegenden Arbeitsaufträge in der Regel erst innerhalb des Unterrichts und kann daher nur spontan auf die Gegebenheiten reagieren. Sie ist meist (im Fach Physik) weniger versiert als die Fachlehrkraft bzw. nimmt gegenüber den Lernenden diese Rolle für sich ein. Im Klassengespräch hält sie sich zurück. Erst in Gruppen-, Partner- oder Einzelarbeitsphasen tritt sie in unterstützenden Kontakt mit den Lernenden. Sie gibt den Regelschülerinnen und Regelschülern keine Rückmeldungen im Sinne von Noten und erscheint in diesem Szenario A nicht in gleichem Maße autorisiert.
Szenario B
Szenario B beschreibt eine Konstellation, in der die sonderpädagogische Fachkraft ihre Zuständigkeit nicht nur auf die Lernenden mit Unterstützungsbedarf beschränkt, sondern in gewissem Maß allen Lernenden als Vermittler zur Verfügung steht (s.a. Beispiele in Tab. 1).
Alle Lernenden wenden sich mit inhaltlichen Fragen auch...

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