5. – 10. Schuljahr

Larissa Fühner und Alexander Pusch

Wie fliegt eine Wasserbombe am weitesten?

Handlungsorientiertes Experimentieren an einer Wasserbombenschleuder

Der schiefe Wurf gehört zu einem der schwierigeren Themen der Kinematik und umfasst u.a. die Überlagerung einer gleichförmigen und einer beschleunigten Bewegung sowie den Einfluss von Startgeschwindigkeit und Abwurfwinkel oder gar der Luftreibung auf die Wurfweite. Schülerinnen und Schüler kennen die Fragestellung nach den Einflussfaktoren auf die maximale Wurfweite aus ihrer Lebenswelt von sportlichen Aktivitäten wie Basketball oder dem (Weit-)Wurf von Schneebällen und Wasserbomben.
Wir haben die Frage nach den Einflussfaktoren auf die Wurfweite beim schiefen Wurf für eine Lerneinheit mit Schülerinnen und Schülern einer Förderschule ausgewählt, um hieran die Prinzipien der Elementarisierung für eine solche Lerngruppe zu verdeutlichen. Es geht dabei weniger um die Beschreibung des spezifischen Lerninhalts „schiefer Wurf, sondern darum, allgemeine Handlungsempfehlungen für Lernende mit Schwierigkeiten im Lernen vorzustellen.
Neben dem Fachinhalt spielen bei der Konzeption der Einheit auch Fachmethoden (Kompetenzbereich Erkenntnisgewinnung: systematische Untersuchung von drei Parametern, Variablenkontrollstrategie) als auch unterrichtsmethodische Aspekte wie das gemeinsame, handlungsorientierte Arbeiten an einem Problem eine Rolle.
Bedürfnisse von Lernenden mit kognitiven Einschränkungen
Lernende mit Schwierigkeiten beim Lernen oder mit Störungen in der geistigen Entwicklung haben es in „regulärem Unterricht besonders schwer. Aus der Arbeit von Förderschulen gibt es grundlegende Handlungsempfehlungen, die wir bei der Ausgestaltung unserer Lerneinheit angewendet haben ([1], s.a. Kasten 1):
1 | Unterrichtsorganisation beim Förderschwerpunkt Lernen
1 | Unterrichtsorganisation beim Förderschwerpunkt Lernen
  • Mache es passend! (Nutzung verschiedener Differenzierungsmöglichkeiten)
  • Mache es einfach! (Redution von Umfang und Inhalt)
  • Mache es interessant! (Steigerung und Aufrechterhaltung der Motivation)
  • Mache es praktisch! (Handlungsorientierung in der Erarbeitung)
  • Mache es noch einmal und noch einmal! (Wiederholungen und Ritualisierung)
Nach: [1], S. 115.
  • Differenzierung,
  • Reduktion,
  • Motivation,
  • Handlungsorientierung sowie
  • Wiederholung und
  • Strukturierung.
Differenzierung und Reduktion
Differenzierung und Reduktion haben die Aufgabe, die Komplexität des Unterrichtsinhalts so weit wie möglich zu reduzieren und ihn greifbarer zu machen, sodass ihn Lernende (mit Lernbeeinträchtigung; zu den Förderschwerpunkten s.a. Basisartikel) bewältigen können.
Die Herausforderung der Heterogenität ist in inklusiven Klassen sowie in Förderschulen ohnehin schon sehr groß, somit muss auch das Spektrum der Differenzierung und Reduktion quantitativ und qualitativ sehr umfassend sein und auch bis zu einem sehr basalen Niveau reichen (vgl. [1], S.115).
Motivation
Die Leistungsbereitschaft ist im regulären Physikunterricht oftmals durch fehlende Motivation und Interesse der Lernenden gemindert [2]. Bei Schülerinnen und Schülern mit Lernbeeinträchtigung ist die Motivation und die Selbstwirksamkeitserwartung oft schon von vornherein stark eingeschränkt (s. z.B. Artikel „Unterricht unter der Lupe), aber gerade für sie, für ihre Mitarbeit und für eine Erarbeitung der Inhalte essenziell wichtig. Denn gerade für Lernende mit Lernbeeinträchtigung ist es wichtig, dass ihnen die Sache Spaß macht, sie diese als sinnvoll ansehen und vor allem die an sie gestellten Aufgaben gut zu bewältigen sind ([1], S.121).
Handlungsorientierung
Der Physikunterricht ist durch seine Experimente und den durch sie möglichen Zugang zur Erkenntnis prädestiniert für einen handlungsorientierten Unterricht. Allerdings müssen die Experimente gerade für Schülerinnen und Schüler mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten, aber auch mit auffälligem Verhalten ungefährlich und robust sein.
Wenn...

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