1. – 13. Schuljahr

Peter Labudde

Facettenreiche Naturwissenschaft

Perspektiven und Herausforderungen integrierten naturwissenschaftlichen Unterrichts

Ich leite häufig Weiterbildungskurse für Sek-I-Lehrerinnen und -Lehrer in Deutschland und der Schweiz. Was erlebe ich dort in Bezug auf integrierten naturwissenschaftlichen Unterricht? Wenn ich in Deutschland erkläre, dass in der Schweiz fast alle Lehrpersonen im 7. – 9. Schuljahr ein Integrationsfach Naturwissenschaften unterrichten, löse ich großes Staunen und heftiges Kopfschütteln aus. Wenn ich umgekehrt in der Schweiz berichte, dass in Deutschland fast alle Lehrkräfte im 5. – 9. Schuljahr Biologie, Chemie und Physik als Einzelfächer unterrichten, sehen mich die Schweizer Kolleginnen und Kollegen skeptisch und ungläubig an.
Um was geht es nun in diesem Themenheft? Es geht einerseits um konkrete Unterrichtsfächer wie das Fach „Naturwissenschaftliche Arbeitsweisen im 5./6. Schuljahr, ein Schulfach „Naturwissenschaftliches Labor bzw. ein Wahlpflichtfach „MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Andererseits geht es um die derartigen Fächern zugrundeliegenden Konzepte, wie etwa das Konzept der „Scientific Literacy. Das heißt, im Mittelpunkt des Heftes stehen Strukturen und Konzepte für den integrierten naturwissenschaftlichen Unterricht, illustriert an konkreten Beispielen aus dem 5. bis 12. Schuljahr mit einem Schwerpunkt auf dem Unterricht in der Sekundarstufe I.
Integrierter Unterricht: Definition, Beispiele und Abgrenzungen
Was versteht man überhaupt unter integriertem naturwissenschaftlichem Unterricht (INU)? INU lässt sich folgendermaßen definieren:
  • Integrierter naturwissenschaftlicher Unterricht bezeichnet ein Schulfach, das die drei Naturwissenschaften Biologie, Chemie und Physik umfasst. In manchen Fällen enthält es auch noch Geographie, Technik oder Geschichte. Das Fach ist in der Stunden-tafel als separates Fach ausgewiesen, neben Fächern wie Deutsch, Mathematik, Sport oder Musik. Ein derartiges Fach wird auch als Integrationsfach bezeichnet.
Integrierten naturwissenschaftlichen Unterricht gibt es seit Jahrzehnten, z.B. weit verbreitet und von allen Beteiligten akzeptiert und geschätzt im Sachunterricht. Um den Übergang vom Sachunterricht in der Primarstufe zum Fachunterricht in der Sekundarstufe abzufedern, haben die meisten Bundesländer in der Orientierungsstufe (5./6. Schuljahr) ein Fach „Naturwissenschaften eingeführt (s. dazu auch den Beitrag von Rehm und Stäudel). Wie der Sachunterricht zeichnet sich dieses Fach durch eine starke Themen- und Handlungsorientierung aus [1].
Einige Bundesländer bzw. Staaten gehen noch weiter und führen generell bis ans Ende der Sekundarstufe I, d.h. bis zum 9. Schuljahr, oder auch z.B. nur in der Gesamtschule ein Integrationsfach „Naturwissenschaften. Integrationsfächer bzw. -ansätze sind für viele Lehrpersonen etwas ganz Normales: Es gibt das Fach „Arbeit Wirtschaft Technik; Biologielehrkräfte unterrichten nicht nur Biologie, sondern auch Medizin, Sexualerziehung und Gesundheitslehre; im Physikunterricht werden physikalische, technische sowie mathematische Inhalte und Kompetenzen erarbeitet, d.h., auch der Physikunterricht weist z.T. Züge eines Integrationsfachs auf. Hierbei kann die Abgrenzung von biologischen und chemischen Zugängen in gemeinsamen Themenfeldern auch dazu beitragen, das Verständnis von Physik auszuschärfen.
Beispiel Schweiz
In der Schweiz gibt es im 7. – 9. Schuljahr im Gegensatz zu Deutschland und Österreich seit Jahrzehnten die Naturwissenschaften als Integrationsfach. Je nach Kanton trägt es einen anderen Namen, z.B. „Mensch und Umwelt, „Naturwissenschaften oder „Natur Mensch Mitwelt. Im zukünftigen Lehrplan 21, der für alle Deutschschweizer Kantone gelten wird, heißt es „Natur und Technik [2].
Dieses Fach lässt sich mit dem Fach „Naturwissenschaften vergleichen, das in den meisten deutschen Bundesländern im 5./6. Schuljahr unterrichtet...

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