1. – 13. Schuljahr

Dorothee Brovelli

Fächerübergreifend unterrichten lernen

Elemente des Lehramtsstudiums für das Fach „Natur und Technik als Modell für integrierten naturwissenschaftlichen Unterricht

Der integrierte naturwissenschaftliche Unterricht (INU) ist in verschiedenen Organisationsformen zumindest an einigen Schulformen und Orten gängige Praxis geworden (s. dazu den Basisartikel von Labudde). Allerdings bieten bisher nur wenige Hochschulen eine Lehrerbildung für die Sekundarstufe I an, die die naturwissenschaftlichen Disziplinen kombiniert und integriert. Stattdessen studieren angehende Lehrpersonen für die Naturwissenschaften traditionell eines oder maximal zwei der Fächer Chemie, Biologie und Physik. Dementsprechend richten sich Bedenken gegen einen INU auch auf die Qualifikation der Lehrerinnen und Lehrer. Da vielerorts vor allem Biologielehrkräfte den INU erteilen, wird eine Schwächung des Chemie- und Physikunterrichts befürchtet zum einen durch mangelndes fachliches und fachdidaktisches Wissen und Können beim fachfremden Unterrichten und zum anderen durch eine übermäßige Schwerpunktsetzung auf der Biologie. Außerdem fühlen sich viele Lehrkräfte, die neu ein Integrationsfach unterrichten sollen, in den nicht studierten Teilfächern nicht hinreichend kompetent. Zudem können sich disziplinär ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer den Unterricht manchmal nur additiv, also als Aneinanderreihung von biologischen, chemischen und physikalischen Themen, vorstellen und nutzen so die Chancen des INU oft zu wenig.
In der Schweiz, wo der INU eine jahrzehntelange Tradition hat, entwickelte deshalb die Pädagogische Hochschule in Luzern ab 2003 als erste Hochschule im deutschsprachigen Raum eine integrierte Lehrpersonenbildung für die Sekundarstufe I (7. – 9. Schuljahr). In der Zwischenzeit wechselten weitere Pädagogische Hochschulen in der Schweiz von disziplinären auf integrierte oder teilweise integrierte Lehramtsstudiengänge. Auch in Deutschland entstehen erste integrierte Lehramtsstudiengänge wie z.B. an der Universität Regensburg oder Studiengänge mit integrierten Ansätzen wie z.B. an der Technischen Universität Darmstadt, der Universität Tübingen oder der Universität Jena. Im Folgenden wird der Lehramtsstudiengang an der Pädagogischen Hochschule Luzern im Überblick vorgestellt; darüber hinaus beleuchtet dieser Artikel Schwerpunkte des Studiums, die auch Anregungen für Themen und methodische Elemente des integrierten naturwissenschaftlichen Unterrichts an Schulen bieten.
Studiengang für den integrierten naturwissenschaftlichen Unterricht
An der PH Luzern kann nach einer Regelstudienzeit von 9Semestern der Masterabschluss erworben werden, der die Unterrichtsbefähigung für in der Regel vier Schulfächer einschließt, von denen eines „Natur und Technik sein kann. Diese qualifiziert für den Unterricht auf der Sekundarstufe I (7. – 9. Schuljahr), unabhängig von der Schulform (Hauptschule, Realschule und Progymnasium). Ein Studium der Einzelfächer Biologie, Chemie oder Physik ist nicht möglich.
Tabelle 1 stellt den Grundaufbau des integrierten Studienfachs Naturwissenschaften an der PH Luzern dar. Dabei werden die Naturwissenschaften und ihre Fachdidaktiken sowohl in den einzelnen Disziplinen studiert als auch in interdisziplinären Themenfeldern. Das Studium des Integrationsfachs bedeutet also nicht etwa, dass nur noch fächerkoordinierender Unterricht vorkommt, sondern genauso auch reiner Fachunterricht sowie fächerüberschreitender und fächerverbindender Unterricht. Dies wird schon an der Gliederung des Studiums in „Überblicken, „Erarbeiten von Basiskompetenzen und „Denken in Konzepten deutlich.
  • Überblicken: Im Grundjahr steht das Phänomen Mensch im Mittelpunkt, an dem in integrierter Form naturwissenschaftliche Grundkenntnisse erarbeitet werden.
  • Erarbeiten von Basiskompetenzen: Im 3. – 6. Semester werden die fachlichen Kenntnisse in den drei klassischen Fächern Chemie, Biologie und Physik...

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