7. – 13. Schuljahr

Gunnar Friege, Ralph Hepp und Michael Barth

Bewertung experimenteller Leistungen

Konzepte und Beispiele aus Forschung und Praxis

Der experimentellen Lernerfolgskontrolle wurde in dieser Zeitschrift bereits vor 15 Jahren ein ganzes Doppelheft gewidmet [1]. Die Herausgeber wollten „[] neue Ansätze vorstellen, Experimente in Lernerfolgskontrollen zu verwenden und zwar mit der Begründung, dass „[n]eben organisatorischen Schwierigkeiten es bei experimentellen Testaufgaben vor allem Unsicherheiten in der Bewertung der Schülerleistungen gibt. Diskutiert wurden Experimente als Teil komplexer Aufgaben, Black-Box-Aufgaben, praktische Physiktests aus anderen Ländern und experimentelle Praktika.
Was kann nun dieser Beitrag im Vergleich zur systematischen Aufarbeitung Neues liefern? Zum einen wird das Spektrum an Beispielen aus der Unterrichtspraxis für eine experimentelle Leistungsbewertung er-weitert, denn nicht alle Ideen passten in ein Doppelheft, und zudem gab es in der Zwischenzeit auch neue Entwicklungen, beispielsweise aufgrund der Einführung des Zentralabiturs in Physik (s.u.). Zum anderen, und vielleicht noch wichtiger, hat sich die Beschreibung von Kriterien durch die Kompetenzorientierung (s.a. Basisartikel) geändert. Diese Kompetenzorientierung zeigt sich in der Unterrichtspraxis zunehmend darin, dass unterschiedliche Kompetenzen neben Anforderungsbereichen heutzutage in experimentellen (wie auch in nicht-experimentellen) Aufgaben diskutiert bzw. bei der Aufgabenkonstruktion berücksichtigt werden. Peters et al. [2] haben zur Klassifizierung experimentellen Könnens in einem Modell zur experimentellen Kompetenz den Einsatz eines Spinnendiagramms beschrieben (s. Abb. 1 ). Die Kompetenzspinne ist eine Anwendung der allgemeinen Methode „Spinnennetz (z.B. [10], S. 9). Nach [2] kann dieses Instrument für die Planung und Durchführung experimentell orientierten Unterrichts, zur Diagnose experimenteller Teilfähigkeiten und für die Rückmeldung eingesetzt werden. Nawrath et al. [2] haben im Rahmen des Schulversuchs alles>>könner in Zusammenarbeit mit teilnehmenden Lehrkräften die einzelnen Teilfähigkeiten inhaltlich beschrieben und insbesondere Niveaustufen ausformuliert. Mit den Teilfähigkeiten sind die einzelnen Spinnenarme gekennzeichnet (z.B. Experiment planen, Beobachten/Messen/Dokumentieren, Daten aufbereiten). Die Teilfähigkeit „Fragestellung entwickeln wird beispielsweise beschrieben durch: „Um ein unbekanntes Phänomen zu klären, entwickeln Naturwissenschaftler konkrete Fragestellungen, die untersucht werden sollen. Eine wissenschaftliche Fragestellung ist zielgerichtet und in der Regel von theoretischen Vorannahmen geleitet. Die zugehörige Niveauabstufung in drei Stufen wäre „2: Sinnvolle Fragestellung, die [], 1: Prinzipiell sinnvolle Fragestellung, die [], 0: keine Fragestellung vorhanden oder [] ([2], S. 47 – 48).
Über ein solch universales Modell zur Beurteilung experimenteller Kompetenzen hinaus stellen wir hier drei konkrete Beispiele für die Bewertung experimenteller Anteile im Unterricht, in Klassenarbeiten und in Prüfungen vor:
  • die detaillierte Bewertung von Fertigkeiten beim Experimentieren, wobei ein Beispiel zur Justierfertigkeit in der Optik diskutiert wird;
  • die Durchführung und Bewertung „kleinerer Experimentieraufgaben in Tests und Klassenarbeiten (inkl. Bewertungsschemata);
  • einen Teil einer Abituraufgabe in zwei Varianten zur Erfassung experimenteller Fähigkeiten: Aufgabe mit Realexperiment bzw. Aufgabe unter Nutzung von Material mit Bezug auf ein Experiment.
Die Kompetenzspinne von Nawrath et al. [2] lässt sich auch zur Klassifikation experimenteller Aufgaben zur Leistungsbewertung einsetzen. Ebenso wie in den Beispielen in [2] sollen die experimentellen Teilfähigkeiten im Sinne von „bei diesem Experiment 0: unwichtig, 1: spielt eine Rolle, 2: sehr wichtig eingeschätzt werden, bezogen auf die Beispiele in diesem Artikel. Abbildung 2 zeigt eine...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen