7. – 13. Schuljahr

Ralph Hepp

Strukturierte Kontroverse

Vor- und Nachteile der Kernenergie recherchieren und diskutieren

Sinnstiftentes Üben bedeutet auch, das Gelernte in Zusammenhänge einzubetten (s. u.a. den Beitrag „Gelerntes strukturieren und vernetzen). Bei der „strukturierten Kontroverse nehmen die Lernenden nacheinander zwei gegensätzliche Standpunkte ein, um durch diesen Perspektivwechsel die Argumente beider Seiten kennenzulernen. Anschließend erfolgt im Rahmen einer vom Lehrer oder auch von Schülerinnen und Schülern geleiteten Diskussion die Auseinandersetzung mit den beiden Standpunkten.
Ablauf der Methode
Die „strukturierte Kontroverse ist in fünf Phasen eingeteilt (s.a. [1]):
  • Phase 1: Die Schülerinnen und Schüler sammeln Pro- oder Contra-Argumente für den ihnen zugewiesenen Standpunkt. Dafür nutzen sie ihre Aufzeichnungen im Heft, ggf. vom Lehrer bereitgestellte Materialien (hier z.B. geeignete Texte aus verschiedenen Lehrbüchern; s. Zusammenstellung von Argumenten zum Thema Kernenergie aus [2] – [5] in Tab. 1 ) sowie Informationen aus dem Internet. Diese Vorbereitung wird in Einzelarbeit, ggf. auch zu Hause, erledigt.
  • Phase 2: Die Schülerinnen und Schüler setzen sich in Vierergruppen zusammen: zwei Personen mit den Pro- (P) und zwei mit Contra-Argumenten (C). Zunächst informieren sich die Lernenden P bzw. C gegenseitig über ihre Erkenntnisse sowie ihre Argumente und ergänzen ihre Aufzeichnungen. Jede Zweiergruppe P bzw. C entscheidet auch, wer ihre Argumentation der entsprechenden Gegengruppe vorträgt. Alle Gruppenmitglieder hören in dieser Phase intensiv zu, stellen Fragen und notieren sich die Argumente der Gegenseite in Stichpunkten.
  • Phase 3: In dieser zentralen Phase wechseln die zwei Schülerinnen und Schüler mit den Pro- bzw. den Contra-Argumenten ihre Positionen, vertreten also in der anschließenden Diskussion anhand ihrer Aufzeichnungen aus Phase 2 den jeweils anderen Standpunkt. Diese Phase kann, insbesondere bei jüngeren Schülerinnen und Schülern, auch erst durch einen internen Austausch in den Zweiergruppen vorbereitet werden. Außerdem sollte in der sich anschließenden Diskussion jeweils der in Phase 2 weniger aktive Lernende nun die aktivere Rolle übernehmen.
  • Phase 4: Die Schülerinnen und Schüler diskutieren nun frei über das Thema und bereiten sich gleichzeitig auf die unbedingt notwendige und individuelle Abschlussphase vor.
  • Phase 5: In der Abschlussphase erhalten die Lernenden den Auftrag, ihre Gedanken, ihre eigenen Argumente für oder gegen das jeweilige Thema schriftlich in einen ca. 1 – 2-seitigen Aufsatz zu formulieren. Dies sollte als Hausaufgabe erfolgen und ist in verschiedener Form möglich, z.B. als Text, der in der nächsten Unterrichtsstunde in der Vierergruppe vorgelesen wird, als Text, der dem Lehrer zur Kommentierung gegeben wird, oder als E-Mail, die auf einer schulinternen Plattform veröffentlicht wird. Es ist möglich, diese Ausarbeitungen hinsichtlich ihrer sachlichen Richtigkeit, einer schlüssigen Argumentation, eines erkennbaren Standpunktes und formaler Kriterien (Ausdruck, Orthographie etc.) zu bewerten. Wichtig ist ein abschließendes Gespräch mit den Lernenden über ihre Eindrücke und Erfahrungen sowie ggf. über Vorschläge zur Verbesserung der Methode.
Erfahrungen
Der in dieser Methode geforderte Perspektivwechsel hilft den Lernenden dabei, die Glaubwürdigkeit, Überzeugungskraft und auch sachliche Richtigkeit der eigenen Argumente einzuschätzen bzw. auch kritisch zu beurteilen. Außerdem erfahren die Schülerinnen und Schüler, dass man sich auch auf die Argumente der Gegenseite einlassen muss, um die Richtigkeit der eigenen Position besser beurteilen zu können.
Die „strukturierte Kontroverse ist eine sehr anspruchsvolle Methode. Sie erfordert vom Lehrer die Durchsetzung einer disziplinierten Durchführung und von den Schülerinnen und Schülern Ernsthaftigkeit in allen Phasen. Werden bestimmte Aufgaben, z.B. die individuelle Vorbereitung zu...

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