9. – 10. Schuljahr

Der Piltdown-Mensch

Ein Mystery im Physikunterricht

Erkenntnisgewinn bei der Erforschung realer Probleme basiert meist auf Selektion und Bewertung von Informationen und der anschließenden sachgemäßen Vernetzung. Die Methode Mystery bietet die Möglichkeit, diese Kompetenzen in einem spannenden Kontext, z.B. einer Kriminalgeschichte, in differenzierten Niveaus zu erarbeiten und hierbei den Physikunterricht so zu öffnen, dass Schüler unterschiedlicher Begabung gemeinsam erfolgreich kooperieren. „Gelernt wird immer dann, wenn positive Erfahrungen gemacht werden. ([1], S. 181)
Ein Mystery zur Altersbestimmung mit radioaktiven Isotopen
Die Geschichte in Kasten 1 rund um die wahre historische Fossilienfälschung, den sog. Piltdown-Mann, bildet den Einstieg in die Unterrichtsstunde. Es steht die Frage im Raum:
  • Was hat die Lohnverhandlung mit dem Fund eines frühmenschlichen Fossils in England zu tun?
    Wie führte eine Lohnverhandlung zu einem angeblich 500000 Jahre alten Briten?
    Wie führte eine Lohnverhandlung zu einem angeblich 500000 Jahre alten Briten?
    Montag, 02.09.1912.
    Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich um afrikanische Kolonien sind Vorboten des ersten Weltkriegs.
    Das britische Empire steht in seiner Blüte. Ein Viertel der Landmasse der Erde gehört zum Empire. Die Welt ist britisch! In Wissenschaft und Technik sind Briten führend. Die englische Gesellschaftsordnung ist patriarchalisch und durch Industrialisierung, Kolonialismus und Rassentheorie geprägt. Imperialismus und Spannungen auf dem Kontinent heizen den Patriotismus an. Die Engländer fühlen sich überlegen.
    Ein unbedeutender Mitarbeiter im Britischen Museum teilte das euphorische Gefühl an diesem Tag jedoch überhaupt nicht. Er war immer noch aufgebracht über die Lohnverhandlung mit seinem Chef. „Meine Arbeit wird einfach nicht wertgeschätzt, dachte der junge Mann. Und so kam er zu einer Entscheidung, von der er Zeit seines Lebens niemanden etwas erzählen sollte.
    Dienstag, 17.09.1912.
    Der Wissenschaftler war begeistert von seinem Fund. Schädel und Unterkiefer waren weitgehend vollständig, und das, obwohl die Alterungsspuren auf ein Alter von mindestens 500000 Jahren hindeuteten. „Eindeutig ein Frühmensch, sehr beeindruckend, der Schädel war definitiv menschlich; der Kiefer aber noch eine frühe Entwicklungsform. Ganz klar eine Sensation!, freute er sich und dachte an den Ruhm, den er nun ernten würde.
    Samstag, 21.09.1912.
    Schlagzeile im Manchester Guardian:
    The Earliest Man?
    REMARKABLE DISCOVERY IN SUSSEX. A Skull ,Millions of Years Old
    (Der früheste Mensch? Eine bemerkenswerte Entdeckung in Sussex. Ein Millionen Jahre alter Schädel)
Einstiegsphase: Leitfrage und Hypothesen
Von dieser Leitfrage ausgehend wird die erste Phase des Mysterys eröffnet, in der die Schülerinnen und Schüler ihre Hypothesen äußern können. In dieser Phase wird im Rahmen einer Geschichte oder eines Fallbeispiels eine Leitfrage vorgestellt, deren Aufgabe es ist, die Neugier der Lernenden zu wecken und Spannung zu erzeugen.
Zum Leitimpuls können die Schülerinnen und Schüler nun Hypothesen äußern, wodurch die Lernenden aktiv eingebunden und motiviert werden, das Rätsel zu lösen. Dennoch sind die Schülerinnen und Schüler nicht in der Lage. alleine aus der Leitfrage und der Einstiegsgeschichte das Rätsel zu lösen; hierfür brauchen sie erst die Informationen aus den Mysterykarten.
Erarbeitungsphase: Arbeit mit den Mysterykarten
Auf das Sammeln der Hypothesen folgt die Erarbeitungsphase des Mysterys. Die Lernenden erhalten die Mysterykarten und die Information, dass diese alle für die Lösung des Rätsels relevanten Informationen enthalten, jedoch auch unwichtige oder eventuell sogar falsche Informationen.
Um das Rätsel zu lösen, müssen die Schülerinnen und Schüler die Informationen selektieren, bewerten und in den richtigen Zusammenhang bringen. Durch die relativ große Menge an Informationen und die Beschränkung auf einen Kartensatz pro Gruppe...

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