7. – 10. Schuljahr

Daniel Grossmann

El Niño und die Atamaca-Wüste

Ein fächerübergreifendes Internetrecherche-Projekt

Auch wenn das Klimaphänomen El Niño schon seit über 200 Jahren verzeichnet wird und es sogar Hinweise auf sein Auftreten schon vor über 12000 Jahren gibt, so ist es immer noch eine sehr rätselhafte Angelegenheit (s.a. die Fachinformationen in Kasten 1).
Das Klimaphänomen El Niño
Das Klimaphänomen El Niño
Bei dem Klimaphänomen El Niño handelt es sich um eine zyklisch auftretende Klimaanomalie, bei der es zu veränderten Strömungen im ozeanographisch-meteorologischen System des Pazifiks kommt. Es ist eine von insgesamt drei Phasen der sog. „El Niño-Southern Oszillation (ENSO): 2)
  • Normalzustand,
  • El Niño,
  • La Niña („Anti-El Niño).
Normalzustand
Im „Normalzustand wird durch die Passatwinde das warme Oberflächenwasser des äquatorialen Pazifiks von Südamerika in Richtung Asien getrieben. Im Gegenzug fließt kaltes Wasser aus den Ozeantiefen und der Antarktis nach, was als sog. Humboldtstrom bekannt ist. In der Tat ist die Wassertemperatur des Pazifiks vor Peru rund 10 °C niedriger und der Meeresspiegel bis zu 50 cm tiefer als auf derselben geographischen Breite vor Indonesien.
Das kalte Wasser vor Südamerika sorgt für sehr trockenes Klima, während das warme, feuchte Wasser in Asien starke Niederschläge bringt. Über die Walker-Zirkulation kehrt die im Westpazifik aufsteigende Luft in der Höhe nach Südamerika zurück, sinkt ab und verursacht stabile Hochdruckverhältnisse am Boden (s. Abb. 2 links). Eine besonders aride Region und dies schon seit über 15 Millionen Jahren ist die Atacama-Wüste in Peru und Chile.
El Niño
Im El-Niño-Zustand wird dieser Kreislauf gestoppt und die Zirkulationsverhältnisse kehren sich um (s. Abb. 2 rechts). Aufgrund veränderter Luftdruckverhältnisse flauen die Passatwinde ab oder werden durch Westwinde verdrängt. Die Wassermassen werden nicht mehr nach Westen getrieben und der Humboldtstrom kommt oberflächlich zum Erliegen. Das Ozeanwasser vor Südamerika erwärmt sich mit Folgen für Pflanzen, Tiere und Menschen. Die Fischschwärme, die normalerweise von dem nährstoff- und sauerstoffreichen Wasser des kalten Humboldtstroms leben, gehen in ihrer Population stark zurück. So waren es auch peruanische Fischer, die dem alle paar Jahre auftretenden Wetterphänomen seinen Namen gaben: „El Niño bedeutet auf Spanisch „der Junge oder „das Kind“ – gemeint ist das Christkind, da die Klimaanomalie bevorzugt zur Weihnachtszeit auftrat.
Während die Fischer unter dem Phänomen leiden, passiert in den Küstenregionen etwas Ungewöhnliches: Über dem warmen Wasser bilden sich Wolken und es fängt in Regionen an zu regnen, in denen seit Jahren kein Tropfen Wasser gefallen ist. Die in der Erde schlummernden Samen erwachen zum Leben und in kurzer Zeit verwandelt sich die ansonsten hyperaride Atacama-Wüste in ein Blumenmeer. Auf der anderen Seite des Pazifiks, in Australien und Indonesien, kommt es dagegen zu Trockenperioden und Dürren.
La Niña
Nach einer Übergangsphase schlägt das Pendel zur anderen Seite aus und es folgt eine „La Niña (spanisch: das Mädchen), die durch besonders starke Passatwinde und besonders kalt-trockenes Klima im südamerikanischen Pazifikküstenbereich gekennzeichnet ist. Danach stellt sich wieder der „Normalzustand mit normalstarkem Passat und den bekannten Luftdruck- und Klimaunterschieden zwischen Südwest- und Südost-Pazifik ein.
Erforschung des Phänomens
Trotz intensiver Forschung und großer Fortschritte im Verständnis von Einzeldetails sowie der Aufdeckung von großräumigen Abhängigkeiten dieser Klimaschwingung ist es bislang nicht gelungen, den Mechanismus aufzudecken, der zu einer El-Niño-Phase führt. Daher sind auch alle Prognosen nur mit großer Vorsicht zu genießen. Dies gilt insbesondere auch deshalb, weil es sich beim Wettergeschehen um ein Paradebeispiel der Nichtlinearen Dynamik handelt und längerfristige Vorhersagen in bestimmten Situationen schon aus...

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