5. – 10. Schuljahr

Constantina Stefanidou

Bertolt Brechts Galilei auf der Schulbühne

Wie Lernende von der Inszenierung eines Theaterstücks fachlich und persönlich profitieren können

In den naturwissenschaftlichen Lehrplänen der Mittelstufe an griechischen Schulen wird Physik auf einem recht fortgeschrittenen Niveau unterrichtet. Die Lernenden müssen sich mit anspruchsvollen, oft bereits stark mathematisierten Konzepten, Übungen und Problemen auseinandersetzen. Schülerinnen und Schüler mit mittleren und schwachen Leistungen können diesen Anforderungen in der Regel jedoch nicht gerecht werden, was u.a. zu einer negativen Einstellung gegenüber dem Fach Physik führt.
Darüber hinaus wird im konventionellen Physikunterricht in Griechenland den historischen, philosophischen oder soziologischen Aspekten der Naturwissenschaft kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Solche kulturellen Merkmale der Naturwissenschaften werden heute auch unter dem Begriff „Nature of Science (vgl. [1]) zusammengefasst und sind ein integraler Bestandteil naturwissenschaftlicher Bildung und weltweit ein Kernziel des naturwissenschaftlichen Unterrichts (s.a. [2]).
Innovative Unterrichtsmethoden, zu denen auch das Drama gehört, können als produktive Wege zum Erlernen naturwissenschaftlicher Konzepte dienen. Zudem werden im Rahmen solcher Methoden „Nature of Science-Aspekte gefördert sowie eine Wertschätzung der Beziehung zwischen Naturwissenschaft und Gesellschaft unterstützt (s. [3]). Insgesamt tragen solche Methoden dazu bei, die Einstellung der Schülerinnen und Schüler gegenüber den Wissenschaften zu verbessern.
Im hier beschriebenen Projekt waren die Schülerinnen und Schüler aktiv daran beteiligt, durch die Inszenierung von Teilen aus Brechts „Leben des Galilei [4] etwas über „Nature of Science zu lernen. Das Projekt wurde an einem staatlichen Gymnasium in Athen in einem sozialen Brennpunkt in der Nähe eines Industriegebiets durchgeführt.
Das Stück
Brechts Werk „Das Leben des Galilei“ ([4]; s.a. Abb. 1 ) basiert auf dem Leben des Astronomen und Physikers Galileo Galilei (1564 – 1642). Das Stück bleibt im Allgemeinen der Wissenschaft Galileis und ihrer Zeitachse treu, nimmt sich aber in Bezug auf sein persönliches Leben erhebliche Freiheiten heraus. Galilei verwendete tatsächlich ein Teleskop, entdeckte die Jupitermonde, setzte sich für das heliozentrische Modell ein, beobachtete Sonnenflecken, untersuchte den Auftrieb und schrieb über Physik. Er besuchte zweimal den Vatikan, um sein Werk zu verteidigen; beim zweiten Mal wurde er gezwungen, seine Ansichten zu widerrufen, und danach unter Hausarrest gestellt (zur Biografie Galileis s. [5] und [6]).
Das Stück besteht aus 15 Szenen und dauert ca. drei Stunden. Im hier vorgestellten Projekt wurden sieben Szenen der Originalfassung nach der Lektüre und Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern ausgelassen, um das Stück auf eine überschaubare Länge zu reduzieren. Die im Projekt dramatisierten Szenen Nr. 1, 3, 4, 7, 9, 12, 13 und 14 wurden ausgewählt, weil sie eine zentrale Rolle in der Handlung haben. Die weggelassenen Szenen haben keinen wesentlichen Einfluss auf die Handlung, wurden jedoch von einer Erzählerin in Form kleiner Passagen integriert. Das Publikum konnte so dem Inhalt des Stücks ausreichend folgen.
Die Umsetzung
Schulischer und organisatorischer Rahmen
Das Projekt begann im November 2014 im Rahmen eines Programms für kulturelle Aktivitäten, das in der 63. Oberschule in Athen durchgeführt wird. Solche Programme für kulturelle Aktivitäten sind vom Bildungsministerium genehmigt und werden als freiwillige Angebote nach den regulären Schulstunden durchgeführt. Die jeweiligen Inhalte der Programme richten sich nach den Vorschlägen der Lehrkräfte und den Interessen und Bedürfnissen der Jugendlichen.
Das hier vorgestellte Projekt wurde an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Kunst angelegt; es verbindet ethische und soziale Aspekte der Wissenschaft miteinander.
Am Projekt...

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