5. – 13. Schuljahr

Biografien auf der Bühne

Lydia Schulze Heuling im Gespräch mit Anita Zieher und Sandra Schüddekopf vom „Portraittheater Wien

2006 wurde das portraittheater in Wien als Verein gegründet, der sich zum Ziel gesetzt hat, Personen, die durch ihr politisches, philosophisches, wissenschaftliches oder künstlerisches Wirken Bedeutendes für die Gesellschaft erreicht haben, mit den Mitteln des Theaters einem breiteren Publikum näher zu bringen. Einen Schwerpunkt hierbei bildet das Porträtieren von herausragenden Frauen, um deren Wirkung oder Bedeutung in der Öffentlichkeit besser sichtbar zu machen. Dabei geht es um eine verständliche Vermittlung der fachlichen und biografischen Entwicklungen, die im Leben dieser Menschen wegweisend waren; dokumentarisch und fachlich korrekt, aber immer mit künstlerischen Methoden. Seit seiner Gründung hat der Verein 11 Produktionen auf die Bühne gebracht und einige davon weltweit gespielt. Das portraittheater ist über die Entwicklung und Vorstellung eigener Theaterstücke hinaus auch in der Bildungsarbeit aktiv. Angeboten werden Workshops vor allem zu den Themen Biografien, Role Models und Empowerment.
Heuling: Frau Schüddekopf, Frau Zieher, Sie bringen Biografien von Frauen auf die Bühne. Nachdem Sie sich unter anderem Bertha von Suttner, Hannah Arendt, Rosa Luxemburg und Marie Jahoda gewidmet haben, sind in den letzten Jahren Stücke über Frauen entstanden, die in den sog. MINT-Disziplinen viel bewegt haben.
Zieher: Ja, das war eine ganz bewusste Entscheidung. Wir haben mit Schriftstellerinnen und Philosophinnen begonnen und dann beschlossen: Jetzt ist es Zeit für ein Porträt über Frauen in Wissenschaft und Technik. Das von uns entwickelte Format des Portraittheaters hat als Zielgruppe Menschen unterschiedlicher sozialer und bildungsbedingter Zugänge im Blick. Das spielt bei der Entwicklung der Stücktexte, der Darstellung der biografischen und fachlichen Inhalte und auch bei der Inszenierung eine Rolle. Wir recherchieren sehr umfangreich und verweben viele Originalzitate in die Texte. Physikerinnen und Physiker sind ebenso begeistert von unseren Stücken wie andere Erwachsene und auch Schülerinnen und Schüler.
Schüddekopf: Jede unserer Inszenierungen sieht anders aus und wir bieten unterschiedliche Anknüpfungs- und Identifikationspunkte. Die Produktionen sind so konzipiert, dass wir sehr unterschiedliche Räume bespielen können klassische Theater, Hörsäle, Klassenzimmer. Außerdem bekommt die Bühnenbildnerin immer die Anweisung, dass alles leicht transportierbar sein muss. Wesentlich ist bei der Auswahl der Stücke, dass wir Biografien von Frauen auf die Bühne bringen, die Entscheidendes für die Gesellschaft oder wie in „Curie_Meitner_Lamarr_unteilbar für Naturwissenschaft und Technik geleistet haben. Wir wollen deren Wirken und Bedeutung, ihre Liebe zur Forschung für unsere heutige Welt sichtbar und für alle zugänglich machen.
Heuling: Marie Curie, Lise Meitner und Hedy Lamarr stehen in „Curie_Meitner_Lamarr_unteilbar im Mittelpunkt. War das reiner Zufall, dass es ausgerechnet diese drei Personen sind?
Zieher: So unterschiedlich ihre Biografien sind, so unvermutet weisen diese doch Parallelen auf. Bei Curie und Meitner ist das Forschungsgebiet der Atomphysik die fachliche Schnittmenge, alle drei sind freiwillig oder unfreiwillig emigriert und haben in der neuen Heimat erst Karriere gemacht. Alle drei haben die Leidenschaft für ihr Tun gemeinsam. Hedy Lamarr hebt sich in gewisser Weise von den anderen beiden ab, weil sie nicht in der Wissenschaft gearbeitet hat, sondern als Schauspielerin und nur nebenbei ein großes Interesse an technischen Entwicklungen hatte.
Schüddekopf: Am Beispiel von Hedy Lamarr kann man auch sehen, dass der Zugang zu Technik nicht auf Hochschulen und Labore beschränkt sein muss. Erfindungen können überall stattfinden. Es gibt sogar eine gewisse Nähe zwischen naturwissenschaftlich-technischer und künstlerischer Kreativität. Im Titel weist das...

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