5. – 13. Schuljahr

Peter Heering und Lydia Schulze Heuling

Inszenierungen (in) der Physik

Ein Plädoyer für mehr „Drama im Physikunterricht

Physikalische Inhalte oder sogar „die Physik auf die Bühne zu bringen, ist kein neuer Ansatz (s.a. Kästen 1 – 2), aber sicherlich einer, der bislang und auch künftig eher eine Ausnahme in naturwissenschaftlichen Bildungsprozessen sein wird. Dies gilt sowohl für die Inszenierung im schulischen Kontext als auch für die Nutzung außerschulischer Angebote. Hierfür gibt es eine Reihe von Gründen: Szenische Ansätze im Physikunterricht sind im deutschsprachigen Raum weitgehend unbekannt, oftmals zeit- und organisationsaufwendig, die Materialien lassen sich nur selten inhaltlich in die formalen Vorgaben des Unterrichts einbinden, die Bewertung ist ein Problem
1. Inszenierungen in der Physik
1. Inszenierungen in der Physik
Der Begriff Inszenierung ist dem Griechischen σκηνη (Szene) entlehnt, was so viel wie „Zelt oder „Bühne heißt. In-Szene-Setzen bedeutet insofern erst mal nicht viel mehr, als öffentlich zu zeigen oder zur Schau zu stellen. Insofern spielen Inszenierungen nicht nur in kulturellen Zusammenhängen oder im Kontext physikalischer Bildung eine Rolle, sondern es finden sich auch in den Präsentationen der Physik selbst immer wieder Inszenierungen.
Historisch sind naturwissenschaftliche bzw. technische Instrumente wiederholt zur Schau gestellt worden, weil sie etwas Bestimmtes repräsentieren. Ein sehr bekanntes Beispiel aus der Geschichte ist das Barometer, das der Magdeburger Bürgermeister Otto von Guericke an der Fassade seines Hauses befestigte. Er zeigte dadurch für alle sichtbar, dass sich der Hausherr mit experimenteller Naturforschung beschäftigte. Ebenso können wir von Inszenierungen sprechen, wenn in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts insbesondere elektrische Experimente öffentlich vorgeführt wurden, um sowohl etabliertes Wissen zu kommunizieren, als auch teilweise neues Wissen zu schaffen (vgl. [10]). Auch heute noch spielen Inszenierungen in der Physik eine Rolle. Deutlich wurde dies etwa bei der Veröffentlichung des experimentellen Nachweises von Gravitationswellen, bei der die beteiligten Forschungsabteilungen zeitgleich Pressekonferenzen abhielten, um die Ergebnisse zu publizieren.
In den letzten Dekaden ist zudem deutlich geworden, dass die Herstellung von Wissen und dessen Akzeptanz nicht unabhängig ist von den Mitteln, mit denen es inszeniert wird. An derartigen Inszenierungen wissenschaftlicher Praxis bzw. Ergebnisse wird also immer auch deutlich, dass Physik als soziales Konstrukt von Menschen gemacht wird, die eben auch über die reinen Inhalte der Physik hinaus bestimmte Inhalte kommunizieren wollen. Dies im Physikunterricht zu thematisieren und zu reflektieren, kann dazu beitragen, ein angemessenes Verständnis der Physik im Sinne einer kulturell gebundenen menschlichen Aktivität zu entwickeln.
Durch die Arbeit an eigenen Inszenierungen können sich Schülerinnen und Schüler erschließen, wie eng Präsentationen bzw. Vorträge und Theater über Mittel der Inszenierung verknüpft sind. Präsentationen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wirken sehr „glatt, und die meisten Menschen trauen sich nicht, diese zu hinterfragen. In ihnen sind die Unwägbarkeiten wissenschaftlichen Tuns nicht mehr erkennbar, Erkenntnisfortschritt wird als linear und selbsterklärend präsentiert. Wir lernen dabei nicht, Wissenschaft auch als soziokulturelle Tätigkeit einzuordnen. Darüber hinaus greifen die Forschenden im Kampf um knappe Forschungsressourcen vermehrt auf inszenatorische Techniken zurück, um auf sich aufmerksam zu machen.
2. Theaterstücke und Filme für den Physikunterricht
2. Theaterstücke und Filme für den Physikunterricht
Theaterstücke
Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker.
96 S. ISBN: 978-3257230475
In diesem 1961 entstandenen Theaterstück geht es zentral um die Verantwortlichkeit von Forschenden für die Anwendung ihrer Ergebnisse....

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