10. – 13. Schuljahr

Lydia Schulze Heuling und Martin Buchholz

Science-Slams Wissenschaft war selten lässiger

Hintergründe und Praxistipps für den Physikunterricht

Wettstreits, die auf Bühnen ausgefochten werden, gibt es in verschiedenen Formaten. Der Poetry-Slam, also der Dichterwettstreit, füllt seit Jahren große Theater. Und auch der Wissenschaftswettstreit, der Science-Slam, erfreut sich seit Längerem zunehmender Beliebtheit. Worum geht es bei Science-Slams? Vor allem darum, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die eigene Forschung einem Laienpublikum in unterhaltsamer und verständlicher Weise näherbringen, (s. Abb. 1 ) die Relevanz ihrer Forschung klar skizzieren oder auch einen persönlichen Zugang zur behandelten Fragestellung anbieten. Dafür stehen normalerweise zehn Minuten zur Verfügung. Das Publikum stimmt am Ende über den besten Vortrag und die Gewinnerin bzw. den Gewinner des Wettstreits ab.
Auch im naturwissenschaftlichen Unterricht gibt es zunehmend Interesse an diesem Format. Um ihren jeweils eigenen Science-Slam-Vortrag zu kreieren, arbeiten sich die Schülerinnen und Schüler jeweils vertieft in ein Thema ein und führen dazu Recherchen, Expertenbefragungen oder auch eigene Experimente durch. Wenn die fertigen Vorträge am Ende als richtiger Science-Slam-Wettbewerb der (Schul-)Öffentlichkeit präsentiert werden, ist die Motivation groß.
Aufgrund der hohen fachlichen Anforderungen, die für eine überzeugende Präsentation notwendig sind, ist das Format Science-Slam vor allem für die Oberstufe geeignet.
Zum Verhältnis von Sagen und Zeigen
Präsentiert werden auf der Bühne Ergebnisse eigener Forschung bzw. Recherchen zu einer Fragestellung. Ein Science-Slam ist kein Theaterstück über Wissenschaft und Forschung. Er ist aber auch kein strenger wissenschaftlicher Vortrag. Denn es geht ganz bewusst darum, die Inhalte verständlich zu kommunizieren und gleichzeitig unterhaltsam zu sein. Witze, Anekdoten und eigenwillige Beispiele, die einen Vortrag evtl. als unwissenschaftlich erscheinen lassen würden, sind hier willkommene Stilelemente. Zum Einsatz können auch unterschiedliche Medien wie z.B. PowerPoint-Präsentationen, Videos, Musik oder Lichteffekte kommen (s.a. Hinweise zu den geförderten Kompetenzen in Kasten 1). Gleichzeitig spielt die direkte Ansprache und die Interaktion mit dem Publikum eine zentrale Rolle in Science-Slams viel mehr als in klassischen wissenschaftlichen Vorträgen. Die Vortragenden können rhetorische Fragen stellen, Meinungsbilder per Handzeichen einholen oder eine Art Quiz einbauen.
1. Kompetenzen und vernetztes Wissen fördern
1. Kompetenzen und vernetztes Wissen fördern
Fachwissen
Die Arbeit an Science-Slam-Vorträgen fördert eine vertiefte Allgemeinbildung sowie wissenschaftliche Denk- und Arbeitsweisen. Die Schülerinnen und Schüler eignen sich insbesondere Fachwissen an, denn bevor sie ihren Science-Slam-Vortrag erarbeiten, müssen sie ihr Thema sicher beherrschen. Dazu gehört nicht nur die Auseinandersetzung mit den physikalischen Theorien und Modellen. Oftmals werden auch Versuche durchgeführt, um sich einen Sachverhalt zu erschließen.
Wichtig ist darüber hinaus die Reflexion des fachlichen Wissens, denn das Science-Slam-Format verlangt ja einen witzigen Umgang mit dem eigenen Thema. Dafür ist jedoch noch wichtiger, fachlich fest im Sattel zu sitzen, als für ein klassisches Referat, das typischerweise aus einer Aneinanderreihung von Fakten besteht. Nur fundierte Sachkenntnis erlaubt einen distanzierten, ironischen Umgang mit der Materie.
Kooperation und Selbstständigkeit
Als mögliche Arbeitsformen und Schülerleistungen werden in zahlreichen Länderverordnungen die Formen „Präsentationen und „Projekte genannt. Dadurch werden u.a. Teamarbeit und Kooperationsfähigkeit geschult. Insbesondere für ein Science-Slam-Projekt in der Oberstufe kommt hinzu, dass die Gesamtorganisation des Science-Slams als schulöffentliche Abendveranstaltung ebenfalls diese Kompetenzen...

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