5. – 13. Schuljahr

Susanne Heinicke und Jutta Lumer

Mit Informationstexten umgehen

Hilfen für Lehrkräfte und Lernende

Informationen für Lernprozesse können medial unterschiedlich angeboten werden. Ein wichtiges Medium sind dabei Schulbuchseiten oder auch informationshaltige Arbeitsblätter. Sie enthalten kontinuierliche Texte (fortlaufend geschrieben) und diskontinuierliche Texte (Tabellen, Listen, beschriftete Grafiken, auch reine Bilder werden häufig hierunter gezählt). Auch wenn das Schulbuch eher selten als Grundlage des Physikunterrichtes dient, verwenden wir doch oft einzelne Textseiten. Aber welche Textseiten sind für die Schülerinnen und Schüler geeignet? Schwierigkeiten bereiten den Lernenden in ihren Verstehensprozessen nicht nur die fachlichen Inhalte, sondern vor allem ihre textliche und gestalterische Darbietung.
In diesem Kapitel stellen wir daher zwei Arten verschiedener Werkzeuge zum Umgang mit Textseiten vor:
  • Die einen Werkzeuge dienen der Analyse der Komplexität einer Textseite in Bezug auf ihre textliche und gestalterische Darbietung der Inhalte.
  • Die anderen Werkzeuge zeigen mögliche Handlungsoptionen auf, im Unterricht mit Textseiten umzugehen.
Der Fokus liegt folglich auf der Anpassung des Materials an den Lesenden.
Die Alternative besteht darin, die Lesenden im Umgang mit dem (gleich bleibenden) Material zu schulen. Auch hierzu enthalten die Texte dieses Kaptiel einige Anregungen. Mehr Anregungen finden sich in [1] („10 Methoden im Umgang mit einem Text) sowie in [2].
Cognitive Load Theory
Die in den Schulbuchtexten oder Arbeitsblättern enthaltenen Informationen müssen von den Lernenden im Lernprozess individuell verarbeitet werden. Ein hilfreiches Modell für solche Verarbeitungsprozesse ist die Cognitive Load Theory (Theorie der kognitiven Belastung; vgl. [3]), aus der Empfehlungen zur lernförderlichen Gestaltung von Lernmaterialien abgeleitet werden können. Bei dieser Theorie geht es im Kern um zwei Annahmen:
1.Die Kapazität unseres Arbeitsgedächtnisses ist bezüglich der Verarbeitung von Informationen begrenzt.
2.Es werden drei Belastungsarten unterschieden, die die Ressourcen des Arbeitsgedächtnisses beanspruchen:
  • die intrinsische Belastung (zu lernender Inhalt),
  • die extrinsische Belastung (die Darbietung des Inhaltes) und
  • die lernbezogene Belastung (die Verarbeitung des Inhaltes).
In der Konsequenz von Annahme 1 und 2 bedeutet dies, dass alle drei Belastungen um ihren Anteil an der Leistungsfähigkeit des Gehirns wettstreiten müssen. Da die lernbezogene Belastung sich auf den eigentlichen Lernprozess bezieht, sollte ihr Anteil an der verfügbaren Gesamtkapazität besonders hoch sein. Intrinsische und extrinsische Belastung müssen entsprechend so weit wie möglich reduziert werden. Hinweise dazu finden sich in den Kästen 1 – 2.
1|Intrinsische Belastung reduzieren
1|Intrinsische Belastung reduzieren
Eine angemessene Menge an Inhalt, also an intrinsischer Belastung, muss selbstverständlich vorhanden sein. Schließlich wäre sonst keine Information vorhanden, die verarbeitet werden könnte. Die Kunst besteht allerdings darin, sich auf das Wesentliche zu beschränken und nicht etwa durch additive Informationen unnötig zu überfrachten (vgl. dazu den Artikel von Heinen und Heinicke zu Stolpersteinen der Gestaltung).
Da sich eine inhaltliche Überfrachtung z.B. in einer zu hohen Fachwortdichte widerspiegelt, liefert der Artikel von Heinicke, Lumer und Heinen zu Stolpersteinen der textlichen Darbietung auch einige Anregungen für mögliche inhaltliche Kürzungen. Denn im günstigen Fall werden die additiven Informationen schlicht überlesen, im ungünstigeren Falle hingegen lenken sie die Lernenden von den wesentlichen Inhalten ab.
2|Extrinische Belastung reduzieren
2|Extrinische Belastung reduzieren
Betrachten wir Schulbuchseiten, informationsorientierte Arbeitsblätter o.Ä., kann in der Regel die Art der Darbietung des Inhaltes optimiert werden, um die kognitive Belastung zu reduzieren. Dies...

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