5. – 13. Schuljahr

Christine Cordes, Nina Lege und Rita Wodzinski

Umgang mit sprachlichen Fehlern im Unterrichtsgespräch

Anregungen aus der Fremdsprachendidaktik

Im Unterricht treten sprachliche Fehler und Unzulänglichkeiten auf verschiedenen Ebenen auf. Sie können die korrekte Verwendung der deutschen Sprache betreffen, die Nutzung eines situationsangemessenen Sprachregisters oder den korrekten Gebrauch von Fachsprache. Im Sinne einer Sprachförderung gilt es, sprachliche Defizite auf allen drei Ebenen wahrzunehmen und zu entscheiden, in welcher Weise darauf reagiert werden kann. Dies stellt im Unterrichtsgespräch eine besondere Herausforderung dar, da spontan abgewogen werden muss, ob und in welcher Weise reagiert werden kann.
Grundsätzlich gilt: Nicht auf alle Fehler muss reagiert werden. Vorrang hat, dass Schülerinnen und Schüler ermutigt werden, ihre Gedanken zu äußern und sich am inhaltlichen Diskurs zu beteiligen. Solange die Lerngruppe versteht, was gemeint ist, können auch sprachliche Unzulänglichkeiten in Kauf genommen werden oder ggf. zeitverzögert im Zweiergespräch oder in der gesamten Gruppe nochmals aufgegriffen werden.
Und: Nicht nur auf Fehler kann reagiert werden. Auch besonders gelungene sprachliche Beiträge können positiv hervorgehoben werden.
Zur Frage, in welcher Weise man sinnvoll auf sprachliche Fehler reagiert, gibt es keine Patentlösung. Die Entscheidung hängt nicht nur von den Lernvoraussetzungen des jeweiligen Schülers oder der Schülerin ab, sondern auch davon, inwieweit andere von einer Thematisierung profitieren. Vor allem aber muss abgeschätzt werden, inwieweit ein Reagieren auf sprachliche Fehler den inhaltlichen Gedankengang des Unterrichts stört. Des Weiteren spielt natürlich eine Rolle, welche Relevanz dem sprachlichen Fehler beigemessen wird. Wenn es gerade darum geht, bestimmte fachsprachliche Formulierungen zu prägen, sollte das Feedback möglichst direkt erfolgen.
Anleihen aus der Fremdsprachendidaktik
Der Umgang mit sprachlichen Fehlern im mündlichen Gespräch ist ein wichtiges Thema der Fremdsprachendidaktik. Wer eine Fremdsprache erlernt, macht immer Fehler. Diese Tatsache ist für Lernende wie für Lehrende eine Selbstverständlichkeit. Beim Fremdsprachenerwerb gelten Fehler sogar als Notwendigkeit und natürlicher Bestandteil. Heute weiß man, dass die direkte und explizite Korrektur oft zu Unsicherheit beim Lernenden und damit meist zu einer Hemmung der Sprachproduktion führt. Aus diesem Grund beschäftigt sich die Feedback-Forschung mit Rückmeldungen, die sensibel und konstruktiv das (Sprachen-)Lernen beeinflussen.
Die Fehlerkultur im Fremdsprachenunterricht ist weit entwickelt. Es gibt eine Vielzahl von Empfehlungen und Methoden, die in der Praxis genutzt werden. Die Erkenntnisse der Fremdsprachendidaktik können auch nützlich sein für den Umgang mit Fehlern beim Fachsprachenerwerb bzw. bei der Verwendung der deutschen Sprache.
Fehlerklassifikation
Kompetenzfehler
Eine Ursache für Fehler in einer Fremdsprache ist ein mangelndes Verständnis des Lernenden. Das heißt, es fehlt dem Lernenden das korrekte Wissen über einen Ausdruck (phonetisch, orthographisch, morphologisch, syntaktisch, lexikalisch, kontextuell oder stilistisch) und gegebenenfalls auch über das dazugehörige Konzept. Er ist deshalb nicht in der Lage, seinen Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Er wird diesen Fehler dauerhaft wiederholen und sich dessen nicht bewusst sein. Einen solchen Fehler nennt man Kompetenzfehler oder auch error, und er bedarf einer Intervention durch den Lehrenden.
Performanzfehler
Ist der Fehler auf Unaufmerksamkeit, Versprechen oder andere temporäre Ursachen zurückzuführen, spricht man vom Performanzfehler oder auch mistake. Dieser Fehler kann vom Sprecher selbst bemerkt und korrigiert werden.
Übertragung auf den Umgang mit Fachsprache
Die Unterscheidung in Kompetenz- und Performanzfehler lässt sich auch auf die Fachsprache übertragen. Eine Formulierung wie „Die Lampe...

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